Samstag, Mai 27, 2017

1 x 1 der Porträt Fotografie

Ein Porträt Foto sollte die Persönlichkeit für den Betrachter spürbar machen

Model: Viki Hiersche

Was gilt es bei der Porträt Fotografie zu beachten?

Die Porträt Fotografie lebt von der Kommunikation mit der porträtierten Person. Technisches Wissen über Fotografie ist nicht ausreichend, um gute Porträts aufzunehmen. Es muss eine Vertrauensbasis hergestellt werden. Deshalb benötigt man auch Zeit. Zeitdruck ist der Feind der Porträt Fotografen. Zunächst beginnt man mit dem Kennenlernen. Ein 20 Minuten Gespräch vor einem Shooting mit noch unbekannten Personen haben noch nie geschadet. Viele Menschen glauben, dass sie nicht fotogen sind, was nicht stimmt. Sie wurden nur im falschen Licht unter falschen Bedingungen aufgenommen. Diesen Menschen muss man zuerst die Angst vor der Fotokamera nehmen.

Model: Tessa Ettenauer

Hochformat oder Querformat?

Sehr oft werden typische Porträt Fotos im Hochformat aufgenommen, was auch durchaus Sinn macht. Schließlich steht und geht der Mensch und kriecht nicht am Boden. Für Bewerbungsfotos, Karriere Shootings, Familienalbum und auch Business Shootings ist das oft die richtige Wahl. Charakter Porträts oder Porträts auf der Straße im Sinne von Streephotography sind aber auch im Querformat sehr interessant. Ich schieße auch bei Karriere- und Business Shootings immer einige Porträts im Querformat. Diese sind dann für Web Präsentation geeignet und lassen es auch zu, Text neben dem Model zu integrieren.

Business Porträt mit Stefan Schickhofer

Welche Brennweite ist die Beste?

Die beste Brennweite ist das 85 mm Festbrennweiten-Objektiv. Es hat die geringste perspektivische Verzerrung aller Brennweiten und ist meistens sehr lichtstark. Man kann damit die Person vom Hintergrund freistellen, was so viel bedeutet, dass der Hinterrund in Unschärfe verschwindet. Eine günstige Lösung ist aber auch ein 50 mm Objektiv für Vollformat auf einer 2/3 Sensor Kamera, weil durch den Crop Faktor die Brennweite um das 1,5 fache verlängert wird. Das ist die günstige und gute Lösung für alle Fotografen, die mit 2/3 Sensor fotografieren. Weitwinkel Objektive kommen selten zum Einsatz, weil sie zu strak verzerren und vor allem bei Selfies das Gesicht stark verändern. Die Nase wird dabei unnatürlich groß. Teleobjektive verkürzen die Abstände zwischen Nase und Ohren, verzerren aber nicht ins Unglück. Tele Brennweiten bis zu 200 mm sind deshalb auch, vor allem für Outdoor Porträts, beliebt. Sie können auch noch mit Blende 5,6 oder 8 die Person vom Hintergrund freistellen und für ein schönes Bokeh sorgen. Vor allem bei Gegenlichtaufnahmen sorgt das für schöne, unscharfe Lichtpunkte.

Bokeh | Blende 1,8 | aufgenommen beim Photowalk Aspern mit Model Thomas Lahr

Welche Belichtungszeit ist die Richtige?

Menschen bewegen sich, selbst wenn sie still sitzen. Um sicher zu gehen, dass man selbst nicht beim Auslösen verwackelt, benötigen geübte Fotografen mindestens 1/30 Sekunde. Um sicher zu gehen, dass keine Bewegungsunschärfe auftritt, wäre 1/60 Sekunde bei still sitzenden oder stehenden Personen geeignet. Bei Menschen in leichter Bewegung ist schon 1/125 Sekunde zu wählen und beim Sport 1/500 Sekunde um die Person einzufrieren.

Brennweite 105 mm | Blende 7,1 | Belichtungszeit 1/200 Sek. | ISO 1250 | Model: Helmut Edinger 

Was ist die beste Lichtempfindlichkeit?

Das kommt auf den Sensor der Kamera an. Rauschen will man im Normalfall verhindern, aber moderne DSLR und auch Systemkameras bieten bis ISO 1250 auf jeden Fall ein rauschfreies Bild bei vorhandenem Licht. Das Foto oben wurde während des Fotolehrgangs 2017 in den Blumengärten Hirschstetten aufgenommen. Wir sind vom Regen in das Palmenhaus geflüchtet und dort befinden sich neben den Pflanzen auch Tiere, weshalb blitzen streng verboten ist. Trotzdem gibt es auch in den dunklen Bildbereichen kein rauschen.

Porträts in Farbe oder Schwarzweiß?

SW Umsetzung eines Farbfotos | Models: Sonja Ehling und Martina Kober
Wenn man die Farbe weglässt, beginnt die Abstraktion beim Porträt. Farben, Formen und Symbolwirkung des Gesichtsausdrucks emotionalisieren den Betrachter. Lassen wir die Farben weg komprimieren wir damit die Bildaussage auf das Wesentliche, den Gesichtsausdruck. Durch das Lächeln der beiden Damen im Foto oben, wird auch ein SW Foto zum positiven Stimmungsmacher.

Das Beauty Porträt

Im Prinzip ist jedes Porträt ein Beauty Porträt. Noch kein Kunde ist zu mir gekommen und hat gesagt: "Können Sie mich bitte so fotografieren, dass ich hässlich aussehe und keinem Menschen gefallen würde."

Ausnahmen bestätigen die Regel. Paparazzi Fotos beweisen das ab und zu von prominenten Persönlichkeiten.

Model: Jessica Papousek | Brennweite 85 mm | Blende 3,2 | Belichtungszeit 1/200 Sek. | ISO 100  | mit Lichtformern 
Für Beauty Porträts benötigt man oft Assistenz von Visagisten, Lichtassistenten und Stylisten. Es handelt sich um eine Zusammenarbeit eines Teams, die das beste Foto schießen wollen. Auf Style und Licht kann auch der Fotograf achten, aber die Visagisten können nicht ersetzt werden. Sie erleichtern das Nachbearbeiten ungemein.

Das Charakter Porträt

Model: Christoph Menger
Um ein Charakter Porträt zu gestalten, muss man die porträtierte Person gut kennen. Natürlich spielt auch das Ziel der Bildaussage eine Rolle, aber trotzdem bestimmt das Model die Bildaussage mit seiner Persönlichkeit mit. Welteinstellung, Beruf und Verhalten sollte erkennbar sein.

Model: Josef Miligui

Worauf wird scharf gestellt?

Immer auf die Augen!

Model: Lisa Heilmann


Die Augenebene sollte komplett scharf abgebildet sein. Das ist gerade bei offener Blende von Blende 1,8 nicht immer ganz leicht. Ich empfehle daher Auto Focus mittelbetont ohne Mehrfeldmessung zu verwenden und mit halbgedrücktem Auslöser dann erst den Bildschnitt zu wählen, bevor man auslöst. Die Offenblende erlaubt es, dass nur die Augenebene scharf abgebildet ist und schon die Nasenspitze oder die Ohren in leichte Unschärfe hineingehen. Das stört überhaupt nicht, weil den meisten Menschen ihre Nase und die Ohren nicht besonders gefallen.

Künstlerische Gestaltung gefällig?

Erlaubt ist bekanntlich was gefällt und Geschmäcker können sehr verschieden sein. Ob nun schon bei der Aufnahme oder erst bei der Bearbeitung ist alles erlaubt was dem Model und dem Fotografen gefällt. Ob sie beim Betrachter Erfolg damit haben lässt sich erst im Nachhinein beurteilen.

Model: Petra Schnell

Letzter Tipp zur Porträt Fotografie

Nur kommunikativ mit Liebe zu Menschen lassen sich unglaublich tolle Porträts einfangen. Wer das nicht kann sollte lieber Landschaften oder Gebäude fotografieren :-).





(c) Harald Mizerovsky
Berufsfotograf | Fototrainer | Sachbuchautor




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