Donnerstag, September 13, 2018

Die hohe Kunst der Porträt Fotografie

Ein Top Porträt Foto sollte gut geplant sein!

Foto Harald Mizerovsky | Model Sandra Täubl
(c) mizerovsky.com | Model: Sandra Täubl | Fashion Design: Queenspiration | MUA: Claudia Lazarevic
Natürlich bestätigt die Ausnahme die Regel und kann auch, sehr selten aber doch, ein Schnappschuss überzeugen, aber in den überwiegenden Fällen entsteht ein gutes Porträt Foto nicht durch Zufall. Kommunikation mit der porträtieren Person, Wahl des passenden Hintergrunds, die richtige Brennweite, ansprechende Perspektive und Bildschnitt, Blick- und Lichtführung und Platzierung der Schärfentiefe auf die Augenebene, passendes Makeup sind die Zutaten für Porträt Fotos, die man mag.

Für ein Porträt Shooting ist also sehr viel zu planen und vorab schon im Team zwischen Model, Makeup Artist, Foto Assistent und Fotograf zu besprechen. Wie bei allen Team Projekten ist im Team die soziokommunikative Komponente von großer Bedeutung. Fotografen, die alleine arbeiten wollen, sollten Landschaften oder Gebäude fotografieren. Porträt Shootings sind immer Team Arbeit, zumindest zwischen Model und Fotograf. Bei einem eingespielten Team steigt auch die Produktivität und die Qualität des Outputs.

Foto Harald Mizerovsky | Model Sandra Täubl
(c) mizerovsky.com | Model: Sandra Täubl | Fashion Design: Queenspiration | MUA: Claudia Lazarevic

Ziele definieren und das richtige Werkzeug wählen

Zur Erklärung der Begriffe: Auch wenn es sich um ein privates Shooting unter Freunden handelt, werde ich die zu fotografierende Person als Kunde bezeichnen. Was wünschen sich Kunden? Sie wollen gut aussehen. Noch niemand ist zu mir gekommen und wollte ein häßliches Bild von sich selbst. Eine Ausnahme stellt ein Halloween Shooting dar. Der Wert eines guten Porträt Fotos ist sehr hoch. Wer kennt nicht die alten Familien Fotoalben, die Jahrzehnte nach dem Shooting stolz hergezeigt werden? "Schau mal, wie hübsch ich in jungen Jahren war", ist dann oft zu hören. Das ist auch eines der wichtigsten Ziele beim Porträt Shooting. Die Kunden sollen stolz auf die Endergebnisse sein. Darüber hinaus sollte man klären für welche Ausgabe Medien die Fotos bestimmt sind. Für großformatige Ausarbeitungen und Prints benötigt man auch große Sensoren und möglichst viele Pixel. Bei Ausarbeitungen bis maximal 30 x 40 cm und für Bildschirmpräsentationen aller Art (Veröffentlichung im Web oder Multimedia Show am TV Schirm) reicht auch ein MFT (Micro Four Thirds) Sensor mit nur 16 MP.

Foto Harald Mizerovsky | Model Sandra Täubl
(c) mizerovsky.com | Model: Sandra Täubl | Fashion Design: Queenspiration | MUA: Claudia Lazarevic
Bei Vollformat Sensoren liegt der Brennweitenbereich in der Personen Fotografie zwischen 35 mm und 135 mm Brennweite. 35 bis 60 mm werden für Ganzkörper Fotos und 105 bis 135 mm für Close-Ups Verwendung finden. Für Porträts bis zum Brustbereich (typisches Bewerbungsfoto) ist das 85 mm Objektiv die richtige Wahl. 85 mm Brennweiten verzerren fast gar nicht und somit bleiben die Gesichtszüge so, wie sie sind. Die Nase wird z.B. weder geschrumpft (bei Tele Aufnahmen) noch verlängert (bei Weitwinkel Aufnahmen). Die 85 mm Brennweite erlaubt auch eine Distanzzone zwischen Fotografen und Models. Jeder Mensch hat seine Distanzzone und wenn man ihm zu nahe kommt wird er nervös. Die Kunden sollten aber entspannt in einer Vertrauenssituation abgelichtet werden.

Die mm Angaben beziehen sich alle auf Vollformat Sensoren!

Foto Harald Mizerovsky | Model Sandra Täubl | MUA Claudia Lazarevic
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Beim Porträt spielt der Hintergrund eine untergeordnete Rolle. Er darf unscharf erkennbar sein, sollte aber nicht mit feinen, scharfen Strukturen vom Kunden ablenken. Die absolute Schärfe Ebene sollte in der Augen Ebene liegen. Bei Augen in unterschiedlicher Tiefe, sollte das vordere Auge die absolute Schärfe aufweisen. Bei Offenblenden unter Blende 1:2,2 kann das aus der Hand mitunter sehr schwierig werden. Dabei kann ein Stativ Abhilfe schaffen. Ist ein Weichzeichnungseffekt erlaubt? Gerade bei Porträt sehr gerne! Kein Mensch hat die perfekte Haut. Der Weichzeichner erspart viel Arbeit in der Postproduktion. Visagisten sind auf jeden Fall qualitätssteigernd, weil die Gesichtshaut von Frauen wie Männern optimal für das Shooting vorbereitet wird. Darüber hinaus passen Visagisten das Makeup farblich an das Outfit und den Hintergrund an.

Ist eine teure Kamera fürs Porträt Shooting notwendig?

Foto Harald Mizerovsky | Model Sandra Täubl
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Nicht unbedingt. Die Kamera sollte manuell bedienbar sein. Automatik ist zu vermeiden. Wichtiger sind gute Objektive, aber die Brennweite 50 mm wird von vielen Anbietern in hoher Qualität sehr preisgünstig angeboten. Für Studio Aufnahmen sollte eher in Zusatzlicht und Lichtformer investiert werden. Die drei Alternativen sind: Studioblitzgeräte, mehrere Systemblitze und neuerdings auch LED Lampen mit Lichtformern. Für welchen Produzenten man sich bei Kamera, Objektiven und Zubehör entscheidet ist aus meiner Sicht nebensächlich. Die Werkzeuge sollen funktionieren und nicht als Markenbotschafter für die Industrie dienen. Auf YouTube liefern sich Markenliebhaber heiße Diskussionen, die ich für völlig überflüßig halte.

Warum sollte man sich für ein Gespräch vor dem Shooting Zeit nehmen?

Vor allem Kunden, die sich nicht oft vor einer Kamera bewegen, tun sich mit den Posing schwer, wenn sie noch kein Vertrauen zum Fotografen aufgebaut haben. Da man die Kunden vor dem Shooting nicht in einen Posing Workshop schicken kann, muss in relativ kurzer Zeit eine Vertrauensbasis geschaffen werden, um zu erreichen, dass die Kunden den Anweisungen folgen. Das Kennenlernen ganz ohne Kamera vor einem Shooting Termin sollte deshalb möglich sein. Wenn man es schafft sich auf menschlicher Ebene näher zu kommen, funktioniert auch das Posing vor der Kamera besser, als wenn man von einem wildfremden Menschen fotografiert wird. Ist das vertrauen nich da, könnten die Fotos wie von einem Paparazzo wirken.

Foto Harald Mizerovsky | Model Sandra Täubl
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Wenn ich mit einem Kunden mehre Shooting Termine absolviert habe, werden die Endergebnisse immer besser. Darüber hinaus beschleunigt sich der gesamte Arbeitsprozess (Planung, Shooting und Postproduktion). Übertrieben gesagt, kann jeder Mensch professionell vor der Kamera sein, wenn er es trainiert. Die Bewegungen und das Timing beim Posen passen dann perfekt. Übung macht auch hier den Meister.

Was passiert in der Postproduktion (digitale Dunkelkammer)?

Gerade in der Porträt Fotografie sollte man im RAW Format fotografieren, weil sich durch die Nachbearbeitung der Tonwerte und Farben gegenüber dem komprimierten JPG Format extrem erweitert. Man nennt diesen Prozess Digitale Entwicklung. Danach können Kleinigkeiten in einer geeigneten Bildbearbeitung ausgebessert werden. Hat man im Studio fotografiert, kann man auch einen künstlichen Hintergrund montieren (Foto Komposition oder Foto Montage).

Foto Harald Mizerovsky | Model Sandra Täubl
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Beim Beauty Porträt ist es auch erlaubt, die Haut zu glätten die Lichtführung nachträglich zu ändern, die Augen zu weißen und den gewünschten Tonwerten den letzten Schliff zu geben. So entstehen schließlich Bilder für die Werbung. Warum sollten private Fotos im Familienalbum nicht auch die beste Qualität haben? Dafür gibt es wirklich keinen Grund. Wenn Kunden gute Porträts erwarten, müssen sie auch wissen, dass es sich dabei nicht um Smartphone Selfies handelt. Das bedeutet sie sollten mit einem angemessenem finanziellen und zeitlichem Aufwand rechnen. Wer darauf keinen Wert legt, kann sich ja mit dem Smartphone selbst fotografieren und irgendwelche Filter Apps verwenden. Vergleichbar wird das Endprodukt natürlich nicht sein. Handy Fotos mit professioneller Postproduktion hingegen sind schon auch sehr nett anzusehen.

Mehr Wissen über Porträt Fotografie

Mehr Wissen zum Thema Porträt Fotografie kann man sich aneignen. Ich habe zum Thema Bücher und eBooks veröffentlicht und auf meinem YouTube Channel gibt es viele Erklärungen dazu. Wer meine Fotoseminare bucht, lernt in der Praxis und trainiert sein Talent.




Die Fotos oben sind für Queenspiration entstanden. Mein Dank für die gute Zusammenarbeit gehört der Modeschöpferin und Model Sandra Täubl und der Makeup Artistin Claudia Lazarevic.

(c) Harald Mizerovsky
Fotograf | Fototrainer | Sachbuchautor