Samstag, November 19, 2016

Nahaufnahme - technische Grundlagen der Makrofotografie


Makro Fotografie: die Fotosafari auf der Blumenwiese

Die Makro Fotografie findet immer mehr Anhänger unter den Fotografen. Einerseits steigt das Interesse an der Natur, andererseits macht es viel Spass die Welt des Mikrokosmos zu erforschen.


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Anfänger müssen fürs Erste nicht unbedingt viel Geld ausgeben. Viele Foto Kameras bieten in der Programmwahl ein Makro Programm an. Darüber hinaus gibt es kostengünstiges Makro Zubehör. Auf wenigen Quadratmetern kann man stundenlang auf Motiv Suche gehen und die fertigen Fotos sind als große Ausarbeitungen ein Blickfang an der Wand.


Ab einem Maßstab von 1:1 spricht man von einer Makro Nahaufnahme. Wird der Käfer oder das Gänseblümchen fast formatfüllend, ist man richtig unterwegs. Dabei ist es wichtig, dass man selbst keinen Schatten auf das Motiv wirft. Gegenlichtaufnahmen am Morgen oder abends sind besonders reizvoll. Die Makros von Blumen sehen bei dunklen Hintergründen interessanter aus. Durch das Hintergrundlicht werden die Blütenblätter mit Licht durchdrungen und feinste Strukturen werden dadurch sichtbar.


Normale Objektive haben eine Naheinstellgrenze, Das bedeutet: Das Motiv muss vom Objektiv weiter entfernt sein, um scharf abgebildet zu werden und deshalb wird es kleiner dargestellt, als es wirklich ist. Makro Objektive und Makro Zubehör erlauben diesen Abstand zum Motiv, oft bis auf wenige Zentimeter, zu verringern. Damit kann man die Motive scharf und formatfüllend ins Bild setzen.


Die meisten Kameras bieten einen Makro Modus an. Die Tulpe symbolisiert diesen Modus. Entweder befindet sie sich auf einem Einstellrad oder im Menü. 1:1 Abbildungen gelingen damit zwar nicht, aber für die ersten Makro Versuche ist der Modus gut geeignet. Danach kann man sich immer noch überlegen, ob man in Makro Technik investieren möchte.


Die günstigste Variante für die Makro Fotografie stellt der sogenannte Retro Ring dar, auch Umkehr Ring genannt. Er kostet zwischen € 10,- und € 20,-

Das Objektiv wird mit dem Filter Gewinde an den Retro Ring befestigt und die andere Seite des Retro Ringes wird wie ein Wechselobjektiv an der Kamera angebracht. Da die elektrischen Kontakte zur Kamera fehlen muss die Blende manuell am Objektiv eingestellt werden. Dazu benötigt man ein älteres Motiv, das noch einen Blenden Ring besitzt. Notfalls kann man eines günstig im Secondhand Shop erstehen. Es sollte sich um ein Weitwinkel oder Normal Objektiv handeln. Scharf gestellt wird durch Änderung der Entfernung zwischen Kamera und Motiv. Der Abstand lässt sich dadurch bis auf 1 bis 2 cm verringern. Achtung: Die Schärfentiefe ist dabei sehr gering! Ausprobieren kann man das auch ohne Retro Ring, indem man das Objektiv verkehrt an die Kamera hält.


Eine sehr günstige und praktikable Möglichkeit bieten Nahlinsen, die im Prinzip wie ein Vergrößerungsglas funktionieren. Man bekommt sie ab € 20,- oft im Set mit vier verschiedenen Nahlinsen angeboten (Vergrößerungsfaktoren: 1-fach, 2-fach, 4-fach und 10-fach). Wenn man mehrere Objektive mit unterschiedlichen Filtergewinden besitzt muss man allerdings für jedes Objektiv eine eigenes Set kaufen. Vorteil: Die Nahlinsen schlucken kaum Licht und man kann bei genügend Umgebungslicht aus der Hand fotografieren.


Balgengeräte gibt es auch mit Elektrokontakten zwischen Kamera Bajonett und Objektiv. Hat es keine, benötigt man wieder ein älteres Objektiv mit Blenden Ring, um die Blende einstellen zu können. Die Schärfe wird durch Verschieben des Objektives eingestellt. Der Balgen schluckt sehr viel Licht, deshalb wird er häufiger im Foto Studio eingesetzt, wo man Blitzlicht oder Dauerlicht zur Verfügung hat. Als zusätzliches Zubehör ist ein Stativ notwendig!


Zwischenringe, die auch kombiniert verwendet werden, sind relativ günstig und bieten oft auch Elektro Kontakte. Sie sind für den Outdoor Einsatz geeignet, allerdings verliert man auch mit Zwischenringen viel Licht. Deshalb bietet sich ein Stativ für Langzeit Belichtungen an.


Für den Outdoor Einsatz in bester Makro Qualität sollte man in Makro Objektive investieren. Mit niedrigen Brennweiten im Bereich der Normal Objektive ist die Naheinstellgrenze sehr gering. Diese sind für Insekten, aufgrund der Fluchtdistanz, nicht geeignet. Dazu benötigt man Makro Objektive im Telebereich.


Ringblitzgeräte oder die kostengünstigen Ring LEDs bringen Licht ins Dunkel - ganz ohne Schatten, weil sie am Objektiv festgeschraubt werden. Allerdings spiegeln sie sich in glänzenden Objekten. Die LEDs sind dimmbar, um die Lichtmenge zu regulieren. Lichtstärker sind die Ringblitzgeräte, aber sie kosten das Vielfache.


Lust die Welt der kleinen Dinge zu entdecken? Es zahlt sich aus, man wird mit ungewöhnlichen Ansichten belohnt und es gibt überall etwas zu entdecken, auch dort, wo viele Menschen nur vorbei gehen, weil sie nicht genaue hinschauen. Wer einmal mit Makro Fotografie begonnen hat, findet überall Motive.



(c) Harald Mizerovsky
Berufsfotograf, Foto Trainer und Sachbuchautor

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